18.02.2026
LA VIDA zeigt: Wohnungsbau in Berlin ist möglich
LA VIDA versorgt seit Jahrzehnten vulnerable Menschen in Berlin mit Wohnraum und begleitet sie in ein selbstbestimmtes Leben. Und: Sie baut für sie neue Wohnungen mitten in der Stadt. Im April beziehen die ersten Bewohner*innen – Menschen mit chronischen und psychischen Erkrankungen und Substanzgebrauchsstörungen – das neu erbaute Wohnhaus am Standort in der Großen Seestraße in Weißensee.
Das Gebäude ist ein konkretes Beispiel für die Möglichkeiten in Berlin: Mehr neuer Wohnraum, besonders für sozial benachteiligte Gruppen, muss kein Wunschdenken bleiben. Er kann Realität werden. Das Team von LA VIDA hat deshalb im Februar Vertreter*innen aus Politik und Senatsverwaltung, Partner und Interessierte eingeladen, damit sie sich vor Ort ein Bild vom Projekt machen konnten. Geschäftsführer Christian Thomes nutzte die Gelegenheit, um mit den Politiker*innen verschiedener Parteien eine wichtige Botschaft zu teilen: „Wir sind überzeugt: Eine bevorzugte Mittelvergabe des Sozialen Wohnungsbaus an gemeinnützige Träger ermöglicht langfristig noch mehr leistbaren Wohnraum für alle Menschen der Stadt. Aufgrund der Gemeinnützigkeit wäre er nämlich über den Förderzeitraum hinaus gebunden.“
Weißensee wird erweitert
Das
Pankower Grundstück von LA VIDA war auch vorher kein „unbeschriebenes Blatt“: 2011
erwarb die damalige ZeitRaum gGmbH (nun Teil von LA VIDA) das ehemalige
Gefängnis in der Großen Seestraße / Ecke Schönstraße und eröffnete dort einen
Standort für Betreutes Wohnen für Menschen mit psychischer Erkrankung.
Zur optimalen Nutzung des Baugrundes – und aufgrund der riesigen Nachfrage nach
Wohnraum für die vulnerable Zielgruppe – beschloss ZeitRaum 2020 die Errichtung
von weiterem Trägerwohnraum auf dem vorhandenen Grundstück.
2024 konnte ZeitRaum mithilfe des Förderdarlehens Soziale Wohnraumförderung der IBB in Höhe von 2,8 Millionen Euro die Finanzierung des Neubaus sichern. Sie wurde ergänzt durch Mittel aus dem „Sondervermögen Wohnraumförderung Berlin“ in Höhe von 230.000 Euro. Das Sondervermögen beinhaltet Zuschüsse zur Herstellung von Barrierefreiheit einzelner Wohnungen und zur Erreichung des Effizienzhaus-Standards 55. Als Eigenbeteiligung wurde dem Träger der Grundstückswert des vorhandenen Grundstücks angerechnet. Durch dieses Finanzierungsmodell können Miethöhen des Sozialen Wohnens langfristig gesichert werden. Aufgrund der entsprechenden Erweiterung der Satzungszwecke von LA VIDA ist es hier gelungen, die Mietpreisbindung über den Förderzeitraum hinaus geltend zu machen.
Sozial bauen heißt nachhaltig bauen
Mit 820qm Wohnfläche entstanden insgesamt 24 Apartments in Holzbauweise. Sie haben eine Größe von rund 30qm, ein eigenes Bad und eine kleine Küche. Jeweils 8 Apartments bilden ein Cluster. Jedes Cluster verfügt über eine Gemeinschaftsküche, eine Gemeinschaftsterrasse mit Zugang zum Garten sowie ein vollständig barrierefreies, rollstuhlgerechtes Apartment. Das Haus ist dreigeschossig, vollständig in Holzbauweise errichtet und mit Wärmepumpen und PVT-Modulen (Photovoltaik-Thermie) ausgestattet. Diese kombinieren Strom- und Wärmeerzeugung in einem Dachmodul und dienen als effiziente, platzsparende Wärmequelle für eine Wärmepumpe. Dadurch kann auf externe Außengeräte oder teure Erdsonden verzichtet werden, da sie Wärme aus Sonne und Umgebungsluft gewinnen und so Strom und Heizenergie liefern – ideal für eine autarke und geräuschlose Heizung.
Bei der Führung durchs Haus konnten sich die Besucher*innen selbst einen Eindruck von der nachhaltigen Bauweise und Ausstattung machen und ihre Fragen stellen. „Tour Guide“ Christian Thomes nutzte beim regen Austausch auch die Gelegenheit, zwei zentrale Forderungen an die Politik zu richten: „Erstens sollte Soziale Wohnraumförderung bevorzugt an gemeinnützige Organisationen vergeben werden, damit die Mieten auch über Jahrzehnte hinaus leistbar bleiben. Und zweitens brauchen Träger, die bisher nicht viele Berührungspunkte zu Bauen und Immobilienentwicklung hatten, bei Bauvorhaben umfassende fachmännische Beratung und Unterstützung, um den Schritt zum Neubau zu wagen.“
Die Tour war ein idealer Start, um das Thema
leistbares Wohnen im Dialog mit Politik und Partnern auch in Zukunft konkret
voranzutreiben.